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Loks & Wagen

SVT Görlitz

ICE 2 Großraumwagen

2. Klasse

Baureihe VT 18.16

Diese Baureihe
ist auch bekannt als
TEE des Ostens.
Aller Anfang ist schwer!

Das Comeback des Jahres

Seit Juni 2026 ist der schönste Zug der ehemaligen DDR nach langjähriger liebevoller Restaurierung wieder auf deutschen und europäischen Gleisen unterwegs: die Baureihe VT 18.16 – oder heute besser bekannt unter den Namen „SVT Görlitz“ und „TEE des Ostens“.

Ein Zug muss her!

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ging es mit dem Personenverkehr in Europa wieder rasant bergauf. Viele Urlauber wollten schnell und komfortabel den Kontinent entdecken, Geschäftsreisende verlangten nach direkten Zugverbindungen zwischen den großen europäischen Metropolen. In Westeuropa mit der damaligen Bundesrepublik Deutschland verkehrte ab 1957 der legendäre Trans-Europ-Express TEE. Auch die Verantwortlichen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erkannten die Notwendigkeit und die Chancen eines Schnellverbrennungstriebwagens (SVT). Der Prototyp wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1963 der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Mai 1965 wurde der erste Triebwagenzug VT 18.16. offiziell in Betrieb genommen, bis 1968 bestellte die Deutsche Reichsbahn (DR) sieben weitere vierteilige Triebwagenzüge.

Made in Görlitz – für Europa

Die Dieseltriebzüge der Baureihe VT 18.16 wurden ab 1963 vom VEB Waggonbau Görlitz gebaut. Die Baumustereinheit war mit zwei 900-PS-Motoren ausgestattet und für eine maximale Reisegeschwindigkeit von 160 km/h zugelassen. Diese nackten Fakten standen Pate bei der Namensfindung für den wunderschönen Zug: die Bezeichnung „VT“ steht für „Verbrennungstriebwagen“, „18“ für die insgesamt 1.800 PS und „16“ für das Tempo von 160 km/h. Die Serientriebwagen erhielten Motoren mit 1.000 PS.  Ganz ehrlich: Der Name VT 18.16 klingt nicht sonderlich attraktiv und wurde dem fantastischen Design des Triebwagenzugs in keiner Weise gerecht. Also etablierten sich schnell Bezeichnungen wie „Bauart Görlitz“ oder „SVT Görlitz“ in Anlehnung an den Herstellungsort Görlitz. Im Westen nannte man die VT 18.16 voller Bewunderung „TEE des Ostens“.
Der Schnelltriebzug wurde standardmäßig als vierteilige Garnitur ausgeliefert. Er bestand aus zwei motorisierten Maschinenwagen an beiden Enden des Zuges, in denen neben den Führerräumen auch Sitzplätze der 2. Klasse und Gepäckräume untergebracht waren. Zwischen den Triebköpfen befanden sich zwei Mittelwagen mit Bordrestaurant und Sitzplätzen der 1. und 2. Klasse. Bei besonders hohem Passagieraufkommen konnten weitere Mittelwagen angekoppelt werden. So kamen die Fahrzeuge im internationalen Verkehr nach Skandinavien, Österreich und in die Tschechoslowakei zum Einsatz. Bekannt und beliebt war der bis 1979 aktive Zuglauf „Vindobona“ über Prag nach Wien. Die letzten internationalen Einsätze wurden Anfang der 1980er Jahre als „Karlex“ und „Karola“ nach Karlsbad gefahren. Danach diente der SVT bis Mitte der 1980er-Jahre für die Verbindung zwischen Bahnhof Berlin Zoologischer Garten und Leipzig Hauptbahnhof zur Leipziger Messe sowie die Schnellzüge zwischen Berlin und Bautzen. Danach wurden die Züge schrittweise abgestellt.
Sieht der SVT nicht gut aus!?!

Steckbrief

Baureihe VT 18.16
Hersteller:
VEB Waggonbau Görlitz
Innbetriebname:
1965
Spurweite
Normalspur
Länge (6-teilig):
145 m
Leermasse:
296 t (6-teilig)
Indizierte Leistung:
2 x 736 kW
Höchstgeschwindigkeit:
160 km/h

Mit viel Liebe und Engagement

Anfang der 1990er Jahre existierte nur noch eine betriebsbereite Einheit, die fortan als Museumszug diente. Sie erhielt 1992 die neue Baureihennummer 675 und wurde bis 2003 noch für das Nostalgieprogramm der Deutschen Bahn genutzt. Nach einer ausführlichen Abschiedstour im April 2003 wurde sie in den Bestand des DB-Museums Nürnberg aufgenommen. Die Idee für die aufwändige Restaurierung entstand bei einem Sonntagsfrühstück im Jahr 2018. Die Leipziger Ingo Kamossa und Mario Lieb unterzeichneten einen Leihvertrag mit dem DB-Museum, gründeten die gemeinnützige „SVT Görlitz gGmbH“ für die Instandsetzung und ließen die Garnitur nach Dresden überführen. Sieben Jahre, unendlich viele Arbeitsstunden und einige Millionen Euro später ist der prachtvolle Zug zurück im Fahrgeschäft.

Nicht billig, aber jeden Cent wert

Mitte Juni 2026 fuhr die Baureihe VT 18.16 das erste Mal nach 23 Jahren störungsfrei im Fahrgastbetrieb und erreichte unter großer Begeisterung vieler Eisenbahnfans die neue Heimat in Radebeul bei Dresden. Ab September 2026 geht der SVT Görlitz VT 18.16 auf verschiedene Sonderfahrten nach Köln, Hamburg, Usedom und Salzburg. So eine mehrtägige Zugfahrt kann pro Person schon mal knapp 1.000 € kosten. Mit Blick auf die mühselige und teure Restaurierung sowie das unglaubliche Erlebnis der Fahrt in einer Schienenlegende scheinen die Preise aber nicht abzuschrecken. Im Gegenteil: Viele Fahrten sind bereits ausgebucht.

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